← Zurück zum Blog
Achtsamkeit

Nach dem Heilfasten ins Kleinwalsertal

Nach dem Heilfasten ins Kleinwalsertal
Morgenstimmung auf der Kanzelwand – etwas zu spät für den Sonnenaufgang, aber genau richtig für einen unvergesslichen Moment.

Viel Bewegung und trotzdem voller Energie

Am Ankunftstag machten wir am Nachmittag einen ersten Spaziergang mit den Hunden.

Am nächsten Morgen waren wir von Riezlern aus rund zweieinhalb Stunden unterwegs. Wir liefen durch Wälder und über verschiedene Wege und genossen die Ruhe und die Natur.

Gegen Mittag ging es nochmals los.

Eigentlich wollten wir mit der Bergbahn hinauffahren und oben nur eine kleine Runde um den Stausee machen. Doch dort waren so viele Menschen, dass uns schnell klar wurde: Das war nicht das, wonach wir suchten.

Wir wollten nicht einfach einem vollen Weg folgen, sondern einen Ort finden, an dem wir die Natur wieder für uns erleben konnten.

Also suchten wir uns einen anderen Weg.

Schon bald wurde es ruhiger, die Wege einsamer und aus dem geplanten kurzen Rundgang wurde eine längere Wanderung über verschiedene Alpen hinunter ins Tal.

Am Abend waren wir müde, aber rundum zufrieden. Besonders schön war die Erkenntnis, dass wir trotz der Fastenwoche so viel Energie hatten. Wir mussten nicht ständig essen und hatten auch nicht das Gefühl, etwas nachholen zu müssen.


Bergbach zwischen moosbewachsenen Steinen im KleinwalsertalNach dem Fasten schien die Natur noch intensiver: das Licht, das Wasser, die Farben und die Ruhe.


Im Dunkeln auf die Kanzelwand

Der besondere Höhepunkt wartete am nächsten Morgen.

Sehr früh machten wir uns auf den Weg zur Kanzelwand, um oben den Sonnenaufgang zu erleben. Der Weg begann im Dunkeln und führte steil hinauf.

Trotz der Anstrengung fühlten wir uns leicht. Brigitte, Aila, Balu und ich waren so miteinander und mit der Natur verbunden, dass wir uns beinahe getragen fühlten.

Leider kamen wir ungefähr zwanzig Minuten zu spät oben an. Die Sonne war bereits aufgegangen.

Doch das spielte plötzlich keine Rolle mehr.

Die Aussicht, die klare Luft, die Ruhe und das Morgenlicht waren fantastisch. Wir hatten den eigentlichen Sonnenaufgang verpasst, aber nicht den Zauber dieses Morgens.


Essen wie zum ersten Mal

Auch die Mahlzeiten erlebten wir nach dem Fasten ganz neu.

Das erste Stück Brot, die erste Konfitüre, das erste Ei, das erste Fleisch und auch der erste Drink: Vieles fühlte sich tatsächlich wie zum ersten Mal an.

Wir assen langsamer, bewusster und genossen jeden Geschmack. Dinge, die im Alltag selbstverständlich geworden waren, bekamen plötzlich wieder einen besonderen Wert.

Genauso war es mit der Natur. Die Wälder, die Berge, das Wasser und die Luft nahm ich intensiver wahr. Meine Gedanken waren leichter und klarer.

Vor allem spürte ich eine grosse Dankbarkeit.

Dankbarkeit für meinen Körper, für die gemeinsame Zeit mit Brigitte, für Aila und Balu und für all die kleinen Momente, die man im Alltag oft übersieht.


Jürg Bäuerle mit Aila und Balu unterwegs in den BergenUnterwegs mit Aila und Balu – müde, zufrieden und dankbar.


Was bleibt

Die vier Tage gingen viel zu schnell vorbei und der Alltag hatte uns bald wieder.

Doch etwas ist geblieben.

Die Fastenwoche und die Tage im Kleinwalsertal haben mir gezeigt, wie wenig es manchmal braucht, um sich erfüllt zu fühlen. Wie gut es tut, den eigenen Körper, das Essen und die Natur wieder bewusst wahrzunehmen.

Der Alltag ist zurück.

Aber die Dankbarkeit und das Gefühl, vieles wieder wie zum ersten Mal zu erleben, möchte ich mitnehmen.

Jürg Bäuerle
Geschrieben von
Jürg Bäuerle
Begleitet Menschen mit Achtsamkeit, Atem und individuell gesprochenen Meditationen.
← Alle Beiträge ansehen