Vom Zweifel zur Erfahrung

Eigentlich wollte ich nur meine Frau Brigitte unterstützen.
Sie hatte sich für das begleitete Onlinefasten bei Nadja Niggl von Fasten Retreat angemeldet. Weil wir die Entlastungs- und Fastentage gemeinsam zu Hause verbrachten, entschied ich mich, ebenfalls mitzumachen. Wobei «einfach mitmachen» vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck ist.
Ich war sehr skeptisch. Mehrere Tage ohne feste Nahrung – ich konnte mir ehrlich gesagt kaum vorstellen, dass ich das schaffen würde. Ich rechnete mit starkem Hunger, schlechter Laune, wenig Energie und dem ständigen Gedanken ans Essen.
Heute weiss ich: Ich werde es wieder machen.
Plötzlich war das Süsse überall
Das Fasten begann nicht erst mit den eigentlichen Fastentagen. Zuerst kam die Entlastungsphase. Am ersten Tag verzichteten wir auf Kaffee und Zucker, später fiel auch das Fleisch weg, danach gab es nur noch Früchte und Salat.
Ausgerechnet der Verzicht auf Süsses beschäftigte mich am meisten. Es war kein unbändiger Heisshunger – der Gedanke war einfach immer wieder da. Plötzlich sah ich überall etwas, das ich gerne gegessen hätte. Dinge, an denen ich sonst achtlos vorbeigegangen wäre, zogen auf einmal meine Aufmerksamkeit auf sich.
Dabei wurde mir bewusst, wie stark Essen mit Gewohnheiten verbunden ist. Wir essen nicht nur, weil unser Körper Hunger hat. Wir essen, weil etwas gut aussieht, weil es da ist, weil es zu einer bestimmten Uhrzeit oder Situation gehört. Oder einfach, weil wir es immer so gemacht haben.
Besonders deutlich spürte ich das beim Baden und Grillieren mit Freunden. Für mich gab es gefüllte Pilze und Zucchini, die anderen genossen Bratwürste und ein frisches Bürli. Und erstaunlicherweise fehlte mir das frische Brot fast mehr als die Bratwurst: der Duft, die knusprige Kruste, dieses vertraute Gefühl, das für mich einfach zu einem gemütlichen Grillabend gehört. In diesem Moment merkte ich: Es war nicht mein Körper, der danach verlangte. Es war die Gewohnheit und die vertraute Situation.
Dann kam alles anders als erwartet
Nach der Darmentleerung begann das eigentliche Fasten. Von da an gab es nur noch Suppe oder fein gemixte Gemüse- und Fruchtkombinationen. Ich wartete innerlich fast darauf, dass der Hunger kommen würde.
Aber er kam nicht.
Die Fastentage gingen erstaunlich schnell vorbei. Ich fühlte mich körperlich und psychisch viel besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Am fünften Fastentag absolvierte ich am Morgen sogar ein Crossfit-Training, am Abend spielte ich mit den Handballern Beachvolleyball. Und noch immer hatte ich keinen Hunger.
Noch stärker berührte mich aber dieses besondere Hochgefühl, das sich während dieser Tage entwickelte. Es war keine laute oder überdrehte Euphorie, eher eine tiefe, ruhige Freude – die Freude darüber, wie gut es mir ging, und dass mein Körper offensichtlich viel mehr konnte, als ich ihm zugetraut hatte. Und auch ein gewisser Stolz, weil ich etwas schaffte, von dem ich vorher überzeugt gewesen war, dass es für mich kaum möglich sei.
Ich fühlte mich leicht, klar und wach. Nicht nur körperlich – auch meine Gedanken wurden ruhiger. Ich nahm meinen Körper bewusster wahr und hatte das Gefühl, näher bei mir selbst zu sein. Genau das war für mich das Schönste am Fasten.
Nicht der Verzicht. Sondern das Bewusstsein, das dadurch entstand.
Eine Meditation als Begleitung
Schon während der ersten Tage merkte ich, dass Heilfasten nicht nur im Körper stattfindet. Auch der Kopf arbeitet mit. Gedanken an Gewohntes tauchen auf, Zweifel melden sich, und manchmal braucht es etwas, das einen wieder zurück zu sich selbst führt.
Deshalb entstand während dieser Zeit eine Meditation für die Fastenteilnehmenden. Sie sollte beruhigen, stärken und daran erinnern, dass im Körper und im Inneren viel geschieht – auch wenn nicht alles sofort sichtbar ist.
Ich stellte Nadja die Meditation zur freien Verfügung. Dass sie bei den Teilnehmenden so gut ankam, hat mich sehr gefreut – vielleicht auch deshalb, weil ich selbst inzwischen genau wusste, welche Gedanken und Gefühle während dieser Tage auftauchen können.
Alleine fühlte es sich plötzlich anders an
An einem Abend war Brigitte nicht zu Hause, weil sie noch einen Termin hatte. Bis dahin waren wir gemeinsam durch diese Tage gegangen. Wir mussten nicht ständig darüber sprechen – allein das Wissen, dass wir dasselbe erlebten, gab Halt.
Als ich plötzlich alleine war, merkte ich sofort, dass es schwieriger wurde. Nicht wegen körperlichem Hunger. Aber die Ruhe im Haus fühlte sich anders an: Der Kopf wurde lauter, Gedanken bekamen mehr Platz, alte Gewohnheiten meldeten sich wieder.
In diesem Moment half mir genau diese Meditation. Sie brachte mich zurück zu meinem Körper, zu meinem Atem und zu der Erinnerung, weshalb ich diesen Weg begonnen hatte. Ich musste nicht an alle verbleibenden Tage denken. Nur an diesen einen Abend. Und plötzlich war auch das gut möglich.
Ein Apfel, wie ich ihn noch nie gegessen hatte
Auf das Fastenbrechen freute ich mich sehr. Am Donnerstagmorgen war es dann so weit: Wir durften einen Apfel essen. Nur einen Apfel – etwas, das sonst völlig alltäglich ist.
Doch dieser Apfel war ein Erlebnis. Ich nahm die Süsse viel intensiver wahr, die Frische, den Saft, die Konsistenz, jeden einzelnen Bissen. Ich ass langsam und mit einer Aufmerksamkeit, die ich einem Apfel vorher kaum jemals geschenkt hatte. Es fühlte sich fast an, als würde ich ihn zum ersten Mal wirklich schmecken.
Dieser einfache Apfel machte mich glücklich. Nicht, weil ich ausgehungert war, sondern weil ich ihn bewusst geniessen konnte. Da wurde mir klar, wie viel wir im Alltag übersehen, weil alles ständig verfügbar ist.
Wenn weniger da ist, kann etwas ganz Einfaches wieder wertvoll werden.
Zurück ins Essen – aber nicht einfach wie vorher
Nach dem Fastenbrechen folgen nun die Aufbautage. Man darf wieder essen, aber der Körper reagiert sehr deutlich. Plötzlich merkt man, dass Essen nicht einfach nur Nahrung ist – es ist Geschmack, Menge, Tempo, Gewohnheit, Genuss und manchmal auch Automatismus.
Ich spüre bereits jetzt: Der Körper ist aufmerksam. Er zeigt, was ihm guttut, und er zeigt auch, wann es genug ist. Das ist für mich fast genauso spannend wie das Fasten selbst. Denn jetzt beginnt der Teil, der im Alltag wirklich zählt: nicht nur verzichten, sondern bewusster zurückkehren. Nicht einfach wieder essen wie vorher, sondern wahrnehmen, was sich verändert hat.
Begleitet durch Fasten Retreat
Meine Frau Brigitte nahm am begleiteten Onlinefasten von Nadja Niggl von Fasten Retreat teil. Ich selbst hatte ursprünglich nicht geplant, ebenfalls zu fasten – eigentlich wollte ich sie nur unterstützen. Doch die klare Struktur, die täglichen Informationen und die ruhige Begleitung durch Nadja gaben auch mir Orientierung und Sicherheit. So wurde aus dem Fasten meiner Frau unerwartet meine eigene erste Fastenerfahrung.
Weitere Informationen zum begleiteten Onlinefasten findest du unter www.fasten-retreat.ch.
Aus Skepsis wurde echte Freude
Vor dem Heilfasten glaubte ich, dass ich es kaum schaffen würde. Heute fühle ich mich körperlich gut, innerlich klar und ehrlich gesagt auch ein wenig glücklich über diese Erfahrung.
Ich habe meinen Körper neu kennengelernt. Ich habe erlebt, wie stark Gewohnheiten sein können – aber auch, dass sie nicht stärker sein müssen als eine bewusste Entscheidung. Und ich habe gemerkt, dass Verzicht nicht nur etwas wegnimmt. Er kann auch etwas schenken:
- Mehr Wahrnehmung.
- Mehr Dankbarkeit.
- Mehr Klarheit.
- Mehr Freude an einfachen Dingen.
Jetzt beginnt der nächste Teil
Nun folgen die Aufbautage und danach für uns ein Wanderwochenende. Gerade darauf bin ich sehr gespannt: Wie fühlt sich der Körper nach dem Fasten an? Wie bewusst nehme ich Essen, Bewegung, Hunger und Genuss wahr? Und was bleibt von dieser Klarheit, wenn wieder mehr Alltag und Aktivität dazukommen?
Ich möchte das nicht vorschnell beantworten. Ich möchte es erleben, spüren – und dann ehrlich darüber schreiben. In ein paar Tagen werde ich deshalb einen zweiten Beitrag veröffentlichen: über das Wandern nach dem Fasten, über die Rückkehr in den Alltag und über die Frage, was diese Erfahrung nachhaltig verändert hat.
Für den Moment bleibt vor allem dieses Gefühl: Ich bin dankbar, dass ich meine Skepsis überwunden habe. Und ich freue mich bereits jetzt darauf, diese Fastenerfahrung irgendwann zu wiederholen.
